„Nothing tastes as good as skinny feels.“- Wenn Dünnsein wieder als „gesund“ verkauft wird

«Nothing tastes as good as skinny feels» Dieser Satz des Models Kate Moss prägte Anfang der 2000er eine ganze Generation. Extreme Schlankheit galt damals als Statussymbol. Sichtbar auf Laufstegen, in Musikvideos und in Hollywoodfilmen. Viele Jugendliche wuchsen mit dem Gefühl auf, ihr Körper müsse möglichst schmal, kontrolliert und perfekt sein, um schön oder beliebt zu wirken.

Dann schien sich endlich etwas zu verändern. Unterschiedliche Körperformen wurden sichtbarer, Themen wie Body Positivity bekamen Raum und viele Menschen hatten zum ersten Mal das Gefühl:
Vielleicht muss mein Bauch gar nicht aussehen wie ein Waschbrett.

Doch seit etwa 2023 kippt die Stimmung wieder. Und spätestens während der Award-Saison 2025/2026 wurde offensichtlich: Das extrem dünne Körperideal ist zurück. Nur diesmal trägt es einen neuen Namen.

Heute heißt es nicht mehr:
„Sei dünn.“

Heute heißt es:

  • „Wellness“
  • „Clean Girl“
  • „Health Journey“
  • „Disziplin“
  • „Pilates Body“
  • oder schlicht: „Ich fühle mich einfach sooo gesund.“

Und genau das macht es so schwierig.

Die neue Dünnheitswelle: Hollywood, Ozempic & Social Media

In den letzten Jahren wurde immer häufiger über Medikamente wie Ozempic oder Wegovy gesprochen. Ursprünglich wurden diese Medikamente für Menschen mit Diabetes entwickelt, inzwischen werden sie aber auch gezielt zur Gewichtsreduktion genutzt.

Gleichzeitig tauchten plötzlich überall dieselben Körper auf:
Sehr schmal, sehr dünn, eingefallene Gesichter, sichtbare Knochen.

Viele Stars verloren innerhalb kurzer Zeit deutlich an Gewicht. Und das Internet machte einen Trend daraus.

Das Problem?
Jugendliche sehen diese Bilder jeden Tag.

Und irgendwann beginnt das Gehirn automatisch zu denken:
„Vielleicht müsste ich auch dünner sein, damit ich schön bin.“
„Vielleicht bin ich nur erfolgreich, wenn ich weniger esse.“
„Vielleicht ist mein Körper falsch.“

Warum das Ganze gefährlich ist

Viele aktuelle Körperbilder werden online als „gesund“ verkauft. Aber Gesundheit sieht nicht automatisch aus wie Größe XS und ein Hafermilchmatcha in der Hand.

Denn bei starkem Gewichtsverlust verliert der Körper nicht nur Fett, sondern oft auch wichtige Muskelmasse.

Das bedeutet:

  • weniger Kraft
  • schneller erschöpft sein
  • Konzentrationsprobleme
  • Frieren
  • Kreislaufprobleme
  • hormonelle Veränderungen
  • ein langsamerer Stoffwechsel

Und ja: Im Extremfall baut der Körper sogar Herzmuskulatur ab.

Das klingt deutlich weniger glamourös als die TikTok-Ästhetik dazu.

Essstörungen beginnen oft leise

Eine Essstörung startet selten plötzlich. Niemand wacht morgens auf und denkt:
„Top, heute entwickle ich eine psychische Erkrankung.“

Oft beginnt es schleichend:

  • Kalorien zählen
  • Mahlzeiten auslassen
  • Angst vor bestimmten Lebensmitteln
  • exzessiver Sport
  • ständiges Kontrollieren des Körpers
  • Schuldgefühle nach dem Essen
  • permanenter Vergleich mit anderen

Von außen bekommen Betroffene dafür manchmal sogar Komplimente:
„Wow, hast du abgenommen?“
„Du bist so diszipliniert!“
„Ich wünschte, ich hätte deine Kontrolle.“

Was niemand sieht:
Die Gedanken drehen sich irgendwann nur noch um Essen, Gewicht und Angst.

Besonders Anorexia nervosa kann schwere körperliche und psychische Folgen haben:

  • Muskelabbau
  • Haarausfall
  • hormonelle Störungen
  • Verdauungsprobleme
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • depressive Symptome
  • soziale Isolation
  • Herzprobleme
  • Knochenschäden
  • und ein erhöhtes Sterberisiko

Und das Tragische ist:
Essstörungen sehen nicht immer „krank“ aus. Betroffene dementieren die Erkrankung oft und waschen sie mit Sätzen rein, «das vergangene Ich mit etwas üppigeren Kurven war das ungesundeste Ich, das ich je hatte»

Manche Betroffene wirken nach außen einfach nur „fit“, „healthy“ oder „clean“. Wie es ihnen psychisch geht und womit sie zu kämpfen haben, bleibt verborgen.

Social Media zeigt selten die ganze Wahrheit

TikTok, Instagram und Hollywood zeigen meistens Ergebnisse, aber nicht die Realität dahinter.

Nicht gezeigt werden:

  • Müdigkeit
  • Essensängste
  • Kontrollzwänge
  • das schlechte Gewissen nach einer Pizza
  • der Verlust von Lebensfreude
  • oder ein Körper, der eigentlich längst im Energiesparmodus läuft

Außerdem vergessen wir oft:
Viele Bilder sind gefiltert, bearbeitet oder perfekt inszeniert.

Manche Menschen verbringen länger damit, ein „ungeschminktes Spiegelselfie“ zu machen als andere mit ihrer Steuererklärung.

Was Jugendliche heute wirklich hören sollten

Als Ernährungspsychologische Beraterin bin ich überzeugt, dass junge Menschen gerade weniger Tipps zum „Summer Body“ brauchen sondern viel mehr Erinnerungen daran, dass ein Körper kein Trend ist.

Du musst nicht:

  • möglichst wenig essen
  • aussehen wie ein Hollywoodstar
  • eine Kleidergröße kleiner werden
  • ständig deinen Bauch anspannen
  • oder dein Leben nach Kalorien ausrichten

Du darfst:

  • essen
  • genießen
  • Muskeln haben
  • Raum einnehmen
  • deinen Körper mögen, auch wenn er nicht perfekt ist

Denn Gesundheit bedeutet nicht, möglichst wenig Platz einzunehmen.

Gesundheit bedeutet:
Energie haben.
Lachen können.
Mit Freund:innen spontan Pommes essen gehen, ohne danach in eine Existenzkrise zu geraten.
Sich konzentrieren können.
Sich lebendig fühlen.

Fazit: Dein Körper ist kein TikTok-Trend

Körpertrends wechseln schneller als Handyhüllen.

Mal sollen alle „thick“ sein, dann wieder „heroin chic“, dann „Pilates skinny“, dann „clean girl“. Der weibliche Körper wird ständig behandelt wie ein Pinterest-Projekt mit Vorher-Nachher-Fotos.

Dein Körper ist kein Trend.
Und auch kein Projekt.

Er ist der Ort, in dem du lebst. Und du bist schön wie du bist. Denn Fotos zeigen eine Momentaufnahme deiner äusseren Hülle und niemand sieht, welcher Charakter dahinter steckt.

Und ganz ehrlich:
Was bringt ein „perfekter“ Körper, wenn man keine Energie mehr hat, zu leben?

Wenn dein Algorithmus dir gerade einredet, du müsstest dünner, kleiner oder kontrollierter werden, denke daran:
Der Algorithmus kennt weder deinen Wert noch deine Persönlichkeit. Er will nur Aufmerksamkeit, Gesundheit ist ihm egal.

Ich sage Dir:

Du darfst essen.
Du darfst wachsen.
Du darfst stark sein.
Du darfst Raum einnehmen.

Und vielleicht ist genau das heute der mutigste Gegenentwurf. Wahre Schönheit entsteht durch das Gesamtbild und vor allem daraus, wie du dich gibst. Du selbst siehst das selten. Doch ein unbeobachtetes und unretuschiertes Foto von dir, zeigt deine wahre Schönheit. Die Menschen um dich mögen Dich um deiner Selbstwillen und nicht wegen einem Schönheitsideal, das gerade in ist. Du glaubst das nicht? Dann habe den Mut und frage sie, was sie an dir mögen. Du wirst feststellen, dass sie so gut wie nie eines deiner Körperattribute nennen.

In diesem Sinne heisst es wohl besser „Feeling good beats looking skinny.“

Herzlichst, Jeannine

Detox im Frühling: Zwischen Clean Eating, Detoxkuren und innerem Druck

Vielleicht gehörst du auch zu den Menschen, die jeden Frühling tanzend und singend zu «Shake it off» hoch motiviert Fenster putzen, den Kleiderschrank ausmisten und Gardinen entstauben. Nicht?

Ok, ich auch nicht. Doch spätestens seit mir das Thema Detox in verschiedensten Formen, Farben und ungefilterten Wortschwallen seit Monaten wiederholt auf Social Media oder ausgestellten Werbeplakaten in Schaufenstern von Drogerien und Apotheken begegnet, habe ich das dringende Bedürfnis meinem Körper eine Detoxkur zu verordnen. Nicht weil ich es dringend brauche, wie es mir suggeriert wird, sondern weil ich es mir verdient habe und ich mir diesen Luxus jetzt doch mal gönnen möchte.

Detox im Frühling boomt- doch was steckt dahinter? In diesem Blogartikel erfährst du aus Sicht einer Ernährungspsychologischen Beraterin, warum Clean Eating oft Druck erzeugt und es dir auch ohne Detoxkur gelingen kann, deinem Körper etwas Gutes zu tun.

Was Detoxkuren versprechen

  • „Schlacken“ oder „Giftstoffe“ würden aus dem Körper ausgeschieden, der Körper werde „gereinigt“ oder „entsäuert“
  • «Du hast mehr Energie, eine bessere Konzentration und strahlendere Haut»
  • «Gewichtsverlust in kurzer Zeit»
  • «Ein allgemeines Gefühl von Leichtigkeit und Neubeginn»

Was die Ernährungswissenschaft dazu sagt

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist der Körper allerdings bereits bestens ausgestattet. Leber, Nieren, Darm, Lunge und Haut arbeiten rund um die Uhr daran, Stoffwechselprodukte zu verarbeiten und auszuscheiden. Ein spezieller „Detox-Boost“ durch Säfte, Tees oder Fastenkuren ist dafür nicht notwendig.

Der Begriff „Schlacken“ etwa stammt eher aus der Metallindustrie als aus der Humanbiologie, denn im menschlichen Körper gibt es kein bekanntes Ablagerungssystem, das durch Detox-Tees „herausgeputzt“ werden müsste.

Was tatsächlich passieren kann:

  • Kurzfristiger Gewichtsverlust (meist Wasser und Glykogenspeicher)
  • Verändertes Körpergefühl durch reduzierte Kalorienzufuhr
  • Mehr Achtsamkeit beim Essen – wenn die Kur sehr bewusst durchgeführt wird

Aber: Die „Entgiftung“ übernimmt weiterhin der Körper selbst, ganz ohne Saftkur-Abo.

Das psychologische Bedürfnis hinter Detox

  • Gefühl eines Neustarts: „Ab morgen bin ich wieder der gesunde Mensch-Version 2.0“
  • Kontrollillusion: Komplexe Ernährung wird auf ein einfaches System reduziert. Solange alles möglichst «clean» ist und Smoothie- Konsistenz hat, habe ich mein Leben im Griff.
  • Sauberkeitsbedürfnis: Ähnlich wie beim Frühjahrsputz, reinige ich meinen Körper und entferne damit emotionale und physisch angestaute Lasten
  • Moralische Aufladung von Essen: „gut“ (Detox) vs. „schlecht“ (alles andere)
  • Selbstoptimierungsdrang: «So wie ich gerade bin, bin ich nicht genug.»

Warum ich als Ernährungspsychologische Beraterin von Detoxkuren abrate:

Nebst den ernährungswissenschaftlichen Fakten ist gerade die Einteilung in „gute», «gesunde» (oft auch «clean» genannt) und „ungesunde“ ,»schlechte» Lebensmittel problematisch. Sie kann leicht in ein Schwarz-Weiß-Denken führen. Essen wird dabei nicht mehr als natürliche Versorgung und genussvolle Erfahrung wahrgenommen, sondern zunehmend moralisch aufgeladen und bewertet. Gleichzeitig rückt der Körper in die Rolle eines dauerhaften „Optimierungsprojekts“, was auf Dauer verunsichern und den Selbstwert belasten kann. Gerade für Menschen mit einer problematischen «Esshistorie» oder Essstörungen kann eine Detoxkur tückische Gefahren bergen.

Der Körper funktioniert nämlich nicht wie ein Smartphone, das man manchmal auf Werkeinstellungen zurückgesetzt muss. Er braucht vor allem Selbstfürsorge, regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten, ausreichend Ruhephasen, Sporteinheiten, die gut tun und Spass machen, sowie eine zugewandte Haltung sich selbst gegenüber.

Was ich stattdessen empfehle:

  • Mehr Achtsamkeit statt strenger Regeln. Du bist deine Expert:in und weisst, was deine Bedürfnisse sind.
  • Ergänzung statt Verzicht. Geniesse vielfältige, nährstoffreiche, sättigende Mahlzeiten und erlaube dir kleine Portionen Süssigkeiten oder Herzhaftes.
  • Vertrauen statt Kontrolle. Vertraue deinem Hunger- Sättigungsgefühl und deinem Appetit. Erlaube dir kleine Flexibilitäten. Dein Körper weiss, was er braucht und du darfst ihn unterstützen. (Funktioniert ganz ohne Detox 😉)

Eine kleine Reflexion für dich

Wenn du den Impuls verspürst, doch eine Detoxkur zu machen, frage dich:

  • Was erhoffe ich mir davon, körperlich und emotional? Suche ich Kontrolle, Entlastung oder einen Neuanfang?
  • Gibt es einen anderen Weg, mir genau das zu geben?

Ist deine Motivation dahinter eine Detoxkur aus Neugier auszuprobieren, darfst du das natürlich. Achte dabei bitte darauf, dass die Kur zeitlich begrenzt ist und nicht deinen gesamten Alltag bestimmt. Ich betone an dieser Stelle nochmals, dass ich Menschen mit einem ohnehin problematischen Essverhalten oder einer Essstörung von Detoxkuren abrate!


Fazit:

  • Detoxkuren verkaufen oft die Idee eines schnellen inneren Frühjahrsputzes. Psychologisch ist dieser Wunsch nach Klarheit, Leichtigkeit und Neustart absolut nachvollziehbar. Wer kennt ihn nicht, den Impuls, einmal alles „durchzuwischen“, innen wie außen.
  • Der Körper selbst braucht diesen radikalen Putz allerdings nicht. Was er viel eher mag, ist Kontinuität. Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Schlaf, Bewegung und eine entspannte Haltung zum Essen.
  • Oder anders gesagt: Der Körper ist kein verstaubter Keller sondern eher ein sehr gut funktionierendes, 24/7 arbeitendes Reinigungsunternehmen.

So naheliegend die Idee einer Detoxkur oder Clean Eating ist, sie führt uns manchmal in eine Richtung, die mehr Druck als Leichtigkeit bringt.

In diesem Sinne: «Shake it off» 😊

Herzlichst, Jeannine

Wie die Umsetzung deiner Neujahrsvorsätze nachhaltig gelingt

Nach all dem Festtagsessen hast du dich gestern vielleicht noch zufrieden, satt und seelisch genährt auf dem Sofa gefläzt. Doch heute, am letzten Tag im Jahr, passiert sowohl bei dir wie auch in den Gehirnen von Millionen von Menschen etwas Magisches: Du beginnst damit gedanklich zu formulieren, was du im neuen Jahr alles ändern möchtest – vor allem optimieren willst.

Wir wollen uns alle gesünder ernähren, eine Diät endlich durchziehen, mehr Sport treiben, häufiger Freunde treffen und mehr Zeit für uns selbst haben. Ab jetzt. Für immer…

Aus biologischer Sicht ist das ungefähr so sinnvoll, als würde man erwarten, dass der Körper pünktlich zum Jahreswechsel ein neues Betriebssystem installiert – inklusive Disziplin-Patch.

Lies in diesem Blogartikel, wie es dir zu diesem Jahreswechsel gelingt, Vorsätze realistisch zu formulieren und langfristig umzusetzen.


Der Kalender sagt „Neustart“, das Gehirn sagt „Gewohnheit“

Psychologisch spricht man vom Fresh-Start-Effekt: Zeitliche Marker wie Neujahr geben uns kurzzeitig das Gefühl, neu beginnen zu können. Studien zeigen, dass unser Gehirn jedoch Gewohnheiten liebt, weil sie Energie sparen. Willenskraft hingegen ist ein begrenzter Rohstoff, vergleichbar mit dem Handy-Akku, der immer genau dann leer ist, wenn man ihn braucht. Motivation ist kein Dauerzustand, sondern eine Stimmungslage. Nach einigen Wochen holt uns der Alltag ein. Stress, Müdigkeit und alte Gewohnheitsmuster gewinnen die Oberhand über die Vorsätze. Das ist oft frustrierend.

Ein Konzept, welches auf alle Vorsätze und Ziele adaptierbar ist

Nicht die Motivation entscheidet über den Erfolg eines Vorsatzes, sondern wie er formuliert ist. Vage Absichten überfordern das Gehirn, klare, kleine Ziele geben ihm Orientierung. An dieser Stelle präsentiere ich dir das SMART-Prinzip mit ein paar Beispielen zum Vorsatz „Ab morgen lebe ich gesünder…“:

S – Spezifisch statt symbolisch

Vorsatz: „Ab morgen lebe ich gesünder und esse weniger Fast Food und mehr Gemüse.“

Optimal: „Ich esse unter der Woche täglich eine Handvoll Gemüse zum Mittagessen.

M – Messbar statt gefühlt

Vorsatz: „Ab morgen mache ich Sport und esse mehr Gemüse.“

Optimal: „Ich mache zweimal pro Woche 20 Minuten Sport und esse jeden Tag eine Handvoll Gemüse zum Mittagessen.“

A – Attraktiv (oder akzeptabel)

Ein Vorsatz funktioniert nur, wenn er sich für dich sinnvoll anfühlt.
Vorsatz: „Ab morgen esse ich gesünder und mache mehr Sport.“

Optimal: „Ich mache ab morgen zweimal pro Woche für 20 Minuten die Sportart, die mir Spass macht und esse einmal am Tag eine Handvoll des Gemüses, das mir schmeckt damit ich mich wohler fühle.

R – Realistisch statt radikal

Große Veränderungen scheitern selten am Willen, sondern an der Realität. Hier beginnen wir mit kleinen Schritten, die auch in einen stressigen Alltag integrierbar sind, nämlich zweimal pro Woche 20 Minuten Sport zu machen und einmal am Tag eine Handvoll Gemüse zu essen. Wenn das umgesetzt ist und wir damit Erfolg haben, ist die Chance gross, dass wir unsere Zielsetzung sogar erweitern.

T – Terminiert, aber wohlwollend

Ein definierter zeitlicher Rahmen hilft, Druck ist kontraproduktiv.

Optimal: „Ich mache ab heute bis Ende Februar zweimal pro Woche 20 Minuten die Sportart, die mir Spass macht und esse einmal am Tag eine Handvoll Gemüse, das mir schmeckt. Dann schaue ich, wie es funktioniert und passe die Zielsetzung gegebenenfalls an meine Bedürfnisse an.

Fazit: Formuliere deine Neujahrsvorsätze SMART

Neujahrsvorsätze scheitern nicht, weil Menschen undiszipliniert sind, sondern weil sie versuchen, ihr Gehirn mit Kalenderlogik zu überlisten.

Die gute Nachricht: Veränderung ist möglich, jederzeit ohne Jahreswechsel, ohne Druck und ohne Zwang. Finde also die kleinstmögliche Veränderung, welche die grösstmögliche Wirkung erzielt – eine Kunst, doch wenn du den Dreh einmal raushast, ist dies der nachhaltige Weg um alte Gewohnheitsmuster zu durchbrechen.

Und falls doch mal etwas nicht klappt:
Der nächste gute Zeitpunkt ist nicht nächstes Jahr, sondern morgen. Oder übermorgen. Oder einfach dann, wenn es für dich passt.

Ganz ohne Feuerwerk!

In diesem Sinne wünsche ich Dir einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Alles Liebe
Jeannine

Mit der Last Minute Diät zur Bikinifigur

Warum wir aufhören sollten, uns für ein Ideal zu stressen

Na, schon wieder irgendwo was von „Bikinifigur in 3 Wochen“ gelesen? Vielleicht noch nicht, aber bald. Die Vorfreude auf den Sommer hat mich dazu gebracht, über das Thema Bikinifigur zu schreiben. Lieber früher, als später, weil ich kein Fan von Last Minute Diäten bin.

Jedes Jahr aufs Neue, sobald die ersten Sonnenstrahlen das Land erhellen, die 20 Grad- Marke überschritten wird und die Freibäder bald öffnen, wird uns suggeriert: Jetzt aber schnell! Bauch weg, Po straff – der Sommer steht vor der Tür! Und so, wie DU aussiehst, bist DU nicht bikinitauglich! Und dann die überaus vielversprechende Überschrift: «Mit unseren Last Minute Tipps schaffst du es mühelos zur Bikinifigur!»

In diesem Blogeintrag erfährst du woher dieses ganze „Bikinifigur“-Ding eigentlich kommt, und weshalb Crashdiäten keine gute Idee sind.

Das Wort „Bikinifigur“

Es stammt eigentlich aus der Werbeindustrie und ist weder ein medizinischer Begriff noch ein Grund ab heute keine Schokolade mehr zu essen. Der Bikini selbst kam in den 50ern auf, galt damals mit seinem knappen, frechen Schnitt als ziemlich skandalös und wurde deshalb per Gesetz verboten, bis Brigitte Bardot und Raquel Welch ihn in den 60er Jahren salonfähig machten. Damit man das Ding an die Frau bringen konnte, wurde schnell ein Ideal-Körper dazu erfunden – flach, straff, makellos. Und alle wollten ihn – den passenden Körper und den Bikini.

Tatsächlich wurde der Bikini, nach einem Ort benannt, auf dem Atomtests gemacht wurden, dem Bikini-Atoll.

Nun hat sich aber nicht das Atoll, welches übrigens im Jahr 2010 zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde in unseren Köpfen eingebrannt, sondern eindeutig das Bild der idealen Bikinifigur.

Was wir mit dem Begriff „Bikinifigur“ verbinden und warum das problematisch ist

Heute noch verbinden wir die Bikinifigur mit Attributen – die uns nicht etwa Duden liefert sondern Einträge aus einer Suchmaschine – durchtrainiert, schlank, sportlich, straffe und perfekte Haut, flacher Bauch – eigentlich, Topmodel like. Dies wird natürlich durch diverse Bilder auf Social Media oder in Lifestyle Magazinen untermauert. Doch warum sollten wir von diesem Idealbild wegkommen? Der Druck, einem bestimmten Ideal mit dem Etikett «bikinitauglich» zu entsprechen, kann psychisch einen enormen Druck auslösen – bis hin zur Essstörung. Im Fokus steht nicht das Wohlbefinden sondern das Aussehen, welches man um jeden Preis erreichen möchte. Viele Menschen sind deshalb empfänglich für Crashdiäten.

Doch wieso machen wir einmal jährlich eine strenge Radikaldiät und machen unser Sommergefühl von einem Ideal abhängig, das kaum jemand erfüllt – und das außerdem komplett willkürlich ist? Einfacher wäre doch die Balance durch das ganze Jahr zu halten, dass dieser Stress gar nicht erst entsteht.

Crashdiäten versus Ernährungsumstellung – So erreichst du deine persönliche Wohlfühl – Bikinifigur

Für mich bedeutet das Wort Bikinifigur längst nicht mehr, einem Ideal zu entsprechen, sondern mich mit meinem Körper in einem Bikini wohlzufühlen – selbstbewusst durch die Badegästemasse zu gehen und den Sommer in vollen Zügen zu geniessen. Warum ich als «Ganzheitliche Ernährungsberaterin IKP» von Crashdiäten abrate und welche Tipps ich dir stattdessen gebe:

  1. Jojo – Effekt: Nach ein paar Wochen Disziplin und Selbstkasteiung – was nie ohne Verzicht geht, kommt oft der große Heisshunger – und der richtet sich nicht nur sondern gerade auf die Dinge, die man sich so streng verboten hat.  Der Körper legt nach einer restriktiven Diät alles wieder als Notreserven an, sprich Fett. So nimmt man oft das Doppelte an verlorenen Kilos wieder zu. Je öfter solche Blitzdiäten gemacht werden, umso grösser ist der Jojo – Effekt. Langfristig kann dies die Gewichtsreduktion also erheblich erschweren.
  2. Muskeln statt Fett gehen verloren. Dein Körper schützt seine Fettreserven lieber und reduziert erst Muskeln – genau die, die du eigentlich betonen willst. Zudem wird dein Stoffwechsel massiv heruntergefahren. Dies kann unter anderem auch zu Müdigkeit und Energiemangel führen.
  3. Nährstoffmangel: Wenig essen heißt oft auch Vitamin- und Mineralstoffmangel.
  4. Dein Kopf macht irgendwann nicht mehr mit. Ständiges Kalorienzählen, Schuldgefühle, Frust vor dem Spiegel – das macht was mit einem. Durch den ständigen Verzicht und das schlechte Gewissen, wenn das restriktive Verhaltensmuster einmal nicht eingehalten werden kann, baust du psychisch einen enormen Druck auf. Die Selbstakzeptanz geht verloren und dein Selbstwert sinkt. Das alles aufgrund eines konstruierten Idealbildes.
  5. Es ist anstrengend und macht unglücklich. Der Sommer sollte nach Sonnencrème, Pommes und Eiscrème riechen und schmecken – nicht nach Verzicht.

Meine Tipps

  1. Selbstakzeptanz: Nehme dir den Druck des konstruierten Schönheitsideals. Dein Körper ist auch dann in Bikini shape, wenn du einfach einen Bikini anziehst. That’s it. Kein Vorher-Nachher nötig.
    Versuche den Fokus zu ändern. Nicht «Wie sehe ich eigentlich aus?», sondern «Wie geht’s mir eigentlich?»
  2. Finde die Balance: Finde das ganze Jahr über die Balance zwischen einer ausgewogenen Ernährung mit viel Gemüse, Eiweiss, komplexen Kohlenhydraten, ungesättigte Fettsäuren und Obst, sowie ausreichender Flüssigkeitszufuhr in Form von ungezuckerten Getränken. Gönne dir ab und zu etwas von deinen Lieblingsnaschereien, dazu zählen auch Softgetränke. Hinzu kommt täglich ungefähr 30 Minuten moderate Bewegung – wähle dazu eine Sportart, die du gerne machst. Wenn du mehr Sport machen möchtest, umso besser! Bewege dich, weil es dir gut tut, nicht nur um Kalorien zu verbrennen.
  3. Sei wohlwollend und freundlich zu dir: Auch an Tagen, an denen du das Gefühl hast, dass der Spiegel nicht dein Freund ist. Nimm nicht jedes Körperteil einzeln unter die Lupe. Sei jedem Körperteil dankbar, dass es da ist und funktioniert. Dein Mantra: Ich bin schön, wie ich bin und ich liebe mich so, wie ich bin, denn ich bin genau richtig.

Fazit: Der Sommer ist kein Wettbewerb – vergiss den Mythos Bikinifigur

Wenn du diesen Sommer ein Ziel erreichen willst, dann sicher nicht eine durch Crashdiäten erzwungene Bikinifigur sondern vielmehr: Entspannt am Strand liegen, die Sonne auf der Haut geniessen, lachen, essen, zur Musik der Beachbar tanzen – und dabei nicht ständig daran denken, ob du nun dem Idealbild der Bikinifigur entsprichst.

Denn das Beste, was du am Strand oder an irgendwelchen Gewässern tragen kannst, ist kein flacher Bauch – sondern Selbstvertrauen. Und Sonnencrème. Viel Sonnencrème.

Und nun, geniesse den Sommer und dein gutes Körpergefühl in deinem Bikini oder Badeanzug!

Alles Liebe, Jeannine

Zurück zu den Wurzeln

Wenn die Temperaturen sinken und das Tageslicht schwindet, sehnen wir uns nach wärmenden, nahrhaften Mahlzeiten. Bereits in der Steinzeit und im Mittelalter wurden Wurzeln gesammelt und so lange gekocht, bis sie zu Mus gestampft werden konnten. Die unförmigen, harten, runzligen, haarigen und manchmal warzigen Geschöpfe wurden im Zeitalter genormter Schönheit irgendwann verschmäht. Doch heute findet man den heimlichen König des Gemüsebeetes, weniger bitter, weil so gezüchtet, wieder auf Märkten und beim Grossverteiler. Feiern wir das Comeback oder eben, gehen «Back to the Roots», weil die inneren Werte dieses unterirdischen Erdgemüses einfach so überirdisch gut sind, dass es im Winter auf dem Teller keines Falls fehlen darf.  Lies in diesem Blogbeitrag, was Pastinaken, Randen, Karotten, Sellerie und Co. noch so alles draufhaben und wie sie in uns den Wunsch wecken, wieder zu mehr Genügsamkeit zurückzukehren.

Ein unverzichtbarer Begleiter im Winter
Zum klassischen Wurzelgemüse gehören Karotten, verschiedene Rüben, Pastinaken, Süßkartoffeln, Sellerie, Randen, Schwarzwurzeln und Topinambur. Diese Pflanzen gedeihen sogar bei Minustemperaturen. Wurzelgemüse ist nicht nur praktisch, weil es lange haltbar ist, sondern enthält die essenziellen Nährstoffe, die unseren Körper in der kalten Jahreszeit stärken zu können.

Reich an Nährstoffen
Wurzelgemüse ist eine ausgezeichnete Quelle für Vitamin A, Vitamin C und Kalium. Diese Nährstoffe unterstützen unser Immunsystem und stärken die Haut. Während Kalium eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Flüssigkeitshaushalts und der Muskelfunktion spielt, ist Vitamin C entscheidend um unser Immunsystem zu unterstützen. Der hohe Ballaststoffgehalt, insbesondere der in Pastinaken und Karotten, kann dabei helfen, den Darm in Schwung zu halten und Verstopfung zu vermeiden – eine häufige Beschwerde in den Wintermonaten, wenn schwere Mahlzeiten die Verdauung belasten und wir uns lieber in die Decke kuscheln, als uns zu bewegen.

Die enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe können zudem antiinflammatorisch wirken, schädliche oxidative Prozesse hemmen sowie Blutdruck und Blutfette regulieren. Noch mehr von den positiven Eigenschaften profitiert, wer das Gemüse roh und mit Schale isst, beispielsweise als Zugabe im Salat. Ein qualitativ hochwertiges Oliven- oder Rapsöl hilft uns dabei, dass die Carotinoide – eine Vorstufe von Vitamin A, besser vom Organismus aufgenommen werden können.

Langsame Energiebereitstellung
Wurzelgemüse ist reich an komplexen Kohlenhydraten, die langsamer verdaut werden als Zucker und somit eine langanhaltende Energiequelle bieten. So können Heisshungerattacken vermieden werden. Dies ist besonders wichtig, weil wir uns im Winter oft nach mehr Energie sehnen und daher gerne zu kalorienreichen Lebensmittel greifen.

Einfluss von Wurzelgemüse auf unsere Psyche
Wurzelgemüse hat nicht nur physiologische Vorteile, sondern kann sich positiv auf unsere Psyche auswirken. Der Verzehr dieser erdig- würzigen Nahrungsmittel ist stark mit der Natur und der Erde verbunden. Genau diese Assoziationen können unser Wohlbefinden positiv beeinflussen.

Haptik und Optik fördern das Wohlbefinden und eine positive Stimmung
Während die erdigen Farben von Pastinaken, Sellerie und Schwarzwurzeln eine beruhigende Wirkung auf unsere Psyche haben, wirkt das kräftige Orange, Violett und Gelb von Karotten oder Randen stimmungsaufhellend. Der Duft nach Erde kann uns das Gefühl von Stabilität vermitteln. Der intensive erdig – süsse bis nussige Geschmack erfüllt den Körper mit Energie und dem wohligen Gefühl von Geborgenheit.

Fazit
Wurzelgemüse ist mehr als irgendein unterirdisch wachsendes Irgendwas. Es bietet vor allem in der kalten Jahreszeit vielerlei Vorteile. Die Nährstoffe in Karotten, Rüben, Pastinaken und Co. versorgen uns mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen, die unser Immunsystem stärken, Krankheiten vorbeugen und uns mit langanhaltender Energie versorgen. Optisch hat Wurzelgemüse unter anderem eine stimmungsaufhellende Wirkung auf uns, was in der dunklen, kalten Jahreszeit besonders wertvoll ist. Indem wir auf saisonale, nährstoffreiche Lebensmittel wie Wurzelgemüse zurückgreifen, können wir sowohl unseren Körper als auch unsere Seele stärken – und das auf eine wohltuende, ganzheitliche Weise.

Ob als wärmende Suppe, im Eintopf, als Ofengemüse oder als Zugabe in Salaten – Wurzelgemüse ist der perfekte Begleiter für eine gesunde und harmonische Winterernährung.

Mehr Genügsamkeit im Alltag und in der Küche, führt uns wieder zurück zu uns und der Natur. In diesem Sinne: «Back to the Roots»!

Rezept für Wintergemüse vom Blech mit Joghurtsauce für 4 Personen

Zutaten

1 Süsskartoffel
3 Karotten (gerne verschieden farbige)
2 Pastinaken
200 g Kürbis
200 g Rosenkohl (kann auch durch Brokkoli oder Blumenkohl ersetzt werden)
3 rote Zwiebeln
2 Fenchel
Rosmarin und Thymian nach Belieben
2 EL Olivenöl
1 TL Salz
Schwarzer Pfeffer nach Belieben

Für die Joghurtsauce

100 g griechischer Joghurt
200g Magerquark
1 Bund Dill
1 Bund Petersilie
1 Zitrone unbehandelt
Olivenöl
Salz
Pfeffer

Zubereitung

Das Wurzelgemüse in gleich große Würfel oder Stücke schneiden. Wer es lieber mag, kann es Schälen. Den Rosenkohl in die Hälfte und den Fenchel in vier Teile schneiden. Die roten Zwiebeln ebenfalls in Viertel schneiden.

Das Gemüse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Olivenöl mit einem Teil Thymian und Rosmarin verrühren, Salz und Pfeffer beigeben, über das Gemüse geben und mit den Händen gut mischen.

In der Ofenmitte bei 200°C 20 – 35 Minuten backen.

In der Zwischenzeit den Dill und die Petersilie hacken. Den griechischen Joghurt und die Kräuter vermischen. Die Zitronenschale und den Zitronensaft dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Gemüse auf die Teller verteilen. Mit dem restlichen Thymian und Rosmarin bestreuen. Wer mag, kann die Joghurtsauce ebenfalls neben das Gemüse geben oder das Schälchen zum Teilen auf den Tisch stellen.

Eine willkommene Abwechslung ist, die Joghurtsauce durch Feta zu ersetzen. Hier einfach den Feta zerkrümeln und über das Ofengemüse streuen.

Guten Appetit!

«In der Kürze liegt die Würze»

Ist nur eines der Sprichwörter zum Thema Gewürze. Besonders im Winter sehnen wir uns nach Geborgenheit und Wärme. Was könnte uns besser durch den Winter begleiten als die vielfältigen Aromen von Gewürzen? Diese kleinen, aber kraftvollen Zutaten bringen nicht nur Geschmack in unsere Gerichte, sondern wärmen und stärken uns von innen. In diesem Blogbeitrag erfährst du, welches die beliebtesten Gewürze im Winter sind, wie man sie in der Küche einsetzt und warum sie ein klein wenig Zauberkraft besitzen.

Die wärmende Kraft der Gewürze

Im Winter ist es besonders wichtig, dass wir uns von innen heraus aufwärmen und unsere Abwehrkräfte stärken. Viele Gewürze haben genau diese wärmende Wirkung. Ob in Chai, Gebäck, Punsch, Glühwein, Schokolade oder Schmorgerichten – hier sind einige Gewürze, die in der winterlichen Küche nicht fehlen dürfen und uns mit ihrem aromatischen Geschmack von süss-würzig bis blumig-fruchtig oder scharf und zitronig dabei unterstützen, gesund und vital durch den Winter zu kommen.

Zimt: Mein persönlicher Favorit und das wohl bekannteste Wintergewürz. Zimt ist vielseitig einsetzbar. Von Plätzchen über Kuchen, Zimtschnecken und Curry – sobald wir Zimt riechen oder schmecken, breitet sich eine wohlige Wärme in uns aus und vermittelt uns das Gefühl einer innigen, zärtlichen Umarmung. Sein herrlich süsslich-würziger Geschmack verleiht Gerichten etwas Festliches und Einladendes. Zimt hat entzündungshemmende, fungizide, antibakterielle, durchblutungsfördernde Eigenschaften und kann dabei helfen, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Wegen der geringeren Konzentration an Cumarin empfehle ich dir, Ceylon-Zimt zu verwenden. Cumarin ist ein Aromastoff, der in höheren Konzentrationen in Cassia-Zimt vorkommt und in Verdacht steht, krebsfördernd und leberschädigend zu wirken.

Nelken: Ihr intensiver, würzig-süsslich, leicht scharfer Geschmack ist unverkennbar. Nelken verfeinern jeden Punsch, Lebkuchen, Glühwein oder Sauce.  Sie haben eine antiseptische und schmerzstillende Eigenschaft. Ihre wärmende Wirkung fördert die Durchblutung. Des Weiteren helfen sie bei Mundgeruch und Zahnschmerzen.

Ingwer: Ingwer ist ein wahres Supergewürz für den Winter. Mit seiner scharfen, zitronigen Note hilft er beispielsweise als Tee bei Erkältungen. Als Gewürz kann man ihn in Eintöpfen, Currys oder als Zutat in winterlichen Smoothies verwenden. Auch sonst kann Ingwer in vielerlei Hinsicht punkten. So hilft er bei Reiseübelkeit oder Übelkeit in der Schwangerschaft. Die positive Wirkung auf Blutdruck, Krebs, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen wird vermutet, ist jedoch noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. In der Naturheilkunde werden warme Ingwer- Wickel gerne bei Gelenkschmerzen, Arthrose, Menstruationsschmerzen, Stress und Unausgeglichenheit eingesetzt.

Kardamom: Botanisch gesehen gehört er zu den Ingwergewächsen. Der Geschmack ist schwierig zu beschreiben. Blumig – fruchtig, leicht scharf, auf jeden Fall intensiv. Kardamom wird meist mit anderen Gewürzen wie Zimt, Nelken, Anis oder Chili kombiniert und entfaltet besonders in heissen Chai, Currys oder in Backwaren wie Lebkuchen seine volle Wirkung. Kardamom kann die Verdauung unterstützen. Gemäss Studien an Mäusen wirkt er stimmungsaufhellend und schmerzlindern. Erste Ergebnisse zeigen zudem, dass er einen therapeutischen Effekt auf das metabolische Syndrom haben kann. Dazu wird weiterhin geforscht.

Muskatnuss: Dieses Gewürz sorgt für eine angenehme Wärme und Tiefe in vielen winterlichen Gerichten. Sie schmeckt am besten, wenn man sie frisch mahlt und erst am Schluss beifügt. Muskatnuss wird oft in Béchamelsoßen, Kartoffelgerichten und Gebäck verwendet. Auch in Getränken wie Eierpunsch oder Milch kann Muskatnuss einen feinen Geschmack beisteuern. Muskat wird in vielen asiatischen Ländern als traditionelles Heilmittel für vielerlei Erkrankungen wie beispielsweise Rheuma, Kopfschmerzen, Fieber usw. eingesetzt. Unserein kennt es vielleicht als Klosterfrauen Melissengeist oder Carmol, welche bei Verdauungsbeschwerden helfen. Studien an Mäusen haben ergeben, dass Muskat sich an Dopamin- und Seratonin Rezeptoren andocken kann und so gegen Depressionen helfen kann. Zudem soll es die Gedächtnisleistung verbessern. Da Muskat eine psychoaktive Wirkung hat, ist bei der Dosierung Vorsicht geboten.

Sternanis: Ist nicht zu verwechseln mit dem herkömmlichen Anis. Der echte Sternanis wächst als immergrüner Baum in tropischen Gebieten und kann eine Wuchshöhe von bis zu 20m erreichen. Seine verholzten Früchte werden wegen ihrer sternförmigen Form gerne als Deko verwendet. Der leicht lakritzartige Geschmack der Samen passt perfekt zu vielen winterlichen Getränken und Desserts. Sternanis hat eine angenehme Wärme, wirkt verdauungsfördernd und entgiftend, was in der Festtagszeit, in der oft reichhaltig gegessen wird, sehr hilfreich sein kann. Er wirkt zudem schleimlösend und ist oft Bestandteil von Hustensäften. Aus wissenschaftlichen Arbeiten geht hervor, dass Sternanis nebst seiner antiviralen und antibakteriellen Wirkung auch als Pestizid eingesetzt werden kann.

Fazit

Wintergewürze sind wahre Alleskönner. Dank ihrer heilsamen, sekundären Pflanzenstoffe unterstützen sie unser Immunsystem und sorgen für eine ausgeglichene Psyche. Ihre wärmende Wirkung hält uns an kalten Tagen warm. Besonders in der Adventszeit verleihen Zimt, Nelken, Ingwer und Co. herzhaften Gerichten, Gebäck und Getränken eine sinnliche und festliche Note.

Die Magie der Gewürze

Schliesse deine Augen und rieche an einem Gewürz, welches du gerne magst. Weisst du nicht genau, welches es sein soll, kannst du eines von den oben genannten auswählen. Konzentriere dich auf den Geruch, versuche ihn in deinen Worten zu beschreiben und überlege dir, woran er dich erinnert. Vielleicht an dein Lieblingsgebäck aus der Kindheit, den Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, eine wohltuende Massage, den letzten Skiurlaub  oder an einen besonders berührenden Moment. Verinnerliche dir, die aufkommenden Bilder und spüre nach, welche Gefühle in deinem Körper aufkommen und wo du sie wahrnehmen kannst. Und so sind deine Alltagssorgen für einen kurzen Moment wie weggezaubert.

«Oh du Fröhliche…»

Weihnachtszeit oder für viele von uns auch oh du stressige Weihnachtszeit. Zig Weihnachtsessen und Geschäftsevents, Jahresabschlussmeetings, Doodle-Umfragen für das feuchtfröhliche Glühwein trinken mit Freunden, Geschenkekaufen und das jährliche Tannenbaumschmücken fordern bereits ab Oktober unsere Fähigkeit den Kalender optimal zu (ver)planen. Ja, das liebe Zeitmanagement. Da kommt es doch gelegen, dass der Samichlaus (in unserem Fall der liebe Chef oder Arbeitskollegen) schon ab Mitte November mindestens alle zwei Tage was zum Naschen im Büro deponiert. Erwiesenermassen drosselt Süsses die Ausschüttung von Stresshormonen. So weit so gut. Doch lange hält der Dopaminschub nicht an und so brauchen wir noch mehr davon.

In hektischen Zeiten, fällt es uns oft schwer, achtsam in uns hineinzuhorchen und zu erkennen, was wir gerade in diesem Moment wirklich brauchen. So greifen wir getrost bei jeder Verlockung gerne zu.

Bevor nun nach dieser Einleitung das schlechte Gewissen kommt und die leckeren Weihnachtskekse im Mülleimer landen, lasse ich den Mahnfinger zurück auf meine Tastatur sinken, um Dir ein paar Tipps aufzuschreiben.

Du darfst gerne liebevoll mit dir umgehen und den nächsten Keks langsam und genussvoll essen. Versuche einmal herausschmecken, aus welchen Ingredienzien er besteht. Manchmal fällt uns dabei auf, dass die gekauften Kekse aus der Grosspackung «Weihnachtsmischung» eigentlich gar nicht so gut schmecken und warten lieber auf die selbstgebackenen nach Omas geheimen Familienrezept.

Wie gelingt es Dir, in der nervenaufreibenden Weihnachtszeit massvoll zu essen und zu trinken ohne zu verzichten? Halte gerade in hektischen Momenten einmal inne und frage dich, was du jetzt gerade brauchst. Vielleicht ist es statt des Weihnachtskonfekts eine Tasse Tee mit wärmenden Gewürzen, ein paar tiefe Atemzüge oder ein kurzer Spaziergang. Generell lohnt es sich bei der Planung der Festtage zu fragen, ob es wirklich nötig ist, ein 5- Gänge – Menü zu kochen, 10 Sorten Weihnachtplätzchen zu backen und die Wohnung aufwändig zu Dekorieren. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, können wir wohl all diese Fragen mit NEIN beantworten, denn das was zählt ist die besinnliche Gemeinschaft und das eigene Wohlbefinden. Einige To-Do’s auf der Liste lassen sich getrost streichen oder delegieren. So steht stressfreien Festtagen nichts mehr im Wege. Übrig bleiben da vielleicht noch ein paar emotionsgeladene Gedanken, an die nervigen, wiederkehrenden Fragen oder Konflikte, welche am festlich gedeckten Familientisch aufkommen können. Auch hier ist Vorbereitung das A und O. Spiele in Gedanken das Worst Case Szenario und mögliche Reaktionen darauf durch. So trainierst du, wie du deine innere Ruhe bewahren kannst. Erinnere dich an das Motto «Du kannst andere nicht ändern, nur wie du auf sie reagierst». Generell sollten schwierige Themen an Weihnachten vermieden werden. Ist die Situation trotz allen Strategien festgefahren, hilft auch hier, tief durchatmen oder raus an die frische Luft.

Fazit: Geniesse die Zeit achtsam mit all ihren leckeren Versuchungen. Achte auf dein Wohlbefinden und gönne dir sowohl Bewegungseinheiten als auch Ruhephasen. Bei Essen in Gesellschaft kannst du dein Besteck immer mal wieder kurz zur Seite legen und Dir eine Esspause gönnen. Dann merkst du besser, wann du satt bist. Um das Verdauungssystem nicht zu überlasten, kannst du während den Feiertagen, auch einmal leicht verdauliche Alternativen wie Salat oder gedünstetes Gemüse sowie mageres Fleisch, Fisch oder Vegi- Tage einplanen. Non-alkoholische Getränke wie Wasser (empfohlen werden 1 – 2l täglich) oder Tees mit hohem Bitterstoffgehalt aus Schafgarbe oder Löwenzahn können deine Verdauung zudem optimal unterstützen. Ersatzweise helfen auch Bittertropfen aus der Drogerie oder Apotheke, die du ins Wasser gibst.

Und nun, lass uns ein «Oh du Fröhliche…» anstimmen.

Frohe Festtage!